Zerstörer BAYERN

Der Zerstörer BAYERN war ein Kriegsschiff der HAMBRG-Klasse. Die HAMBURG-Klasse (auch Klasse 101, nach Umbau Klasse 101A) war eine Klasse von Zerstörern der Bundesmarine, welche Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre gebaut wurde. Die vier Einheiten der HAMBURG-Klasse waren bis Mitte der 1990er Jahre im Dienst und gehörten mit einer Verdrängung von 4.050 Tonnen zu den größten Schiffen der Bundesmarine.

Das erste Schiff, die HAMBURG (D-181), wurde am 29. Januar 1959 auf der Hamburger Stülcken-Werft auf Kiel gelegt. Aufgrund einer Gasexplosion in der Bauwerft verzögerte sich die Indienststellung bis März 1964. Der HAMBURG folgten ihre Schwesterschiffe SCHLESWIG-HOLSTEIN (D-182, Indienststellung Oktober 1964), BAYERN (D-183, Indienststellung Juli 1965) und HESSEN (D-184, Indienststellung Oktober 1968). Die Klassenbezeichnung lautete nun HAMBURG-Klasse bzw. Klasse 101.

Benannt wurden die Schiffe nach deutschen Bundesländern, wobei jeder Name bereits auch von früheren deutschen Kriegsschiffen getragen worden war: HAMBURG war der Name einer Radkorvette (1841) während des Schleswig-Holsteinischen Krieges und eines Kleinen Kreuzers der Kaiserlichen Marine gewesen; HESSEN, SCHLESWIG-HOLSTEIN und BAYERN waren Linienschiffe der Kaiserlichen Marine.

Die vier Schiffe taten jeweils rund 30 Jahre Dienst, Mitte der 1970er Jahre (also auch ungefähr zur Hälfte ihrer Dienstzeit) erfolgte ein Umbau zur Klasse 101A. Beginnend mit der HESSEN 1990 wurden die Zerstörer der HAMBURG-Klasse dann bis 1994 alle außer Dienst gestellt und über die VEBEG GmbH verkauft und anschließend verschrottet.

Die Zerstörer der HAMBURG-Klasse waren 133,70 Meter lang und 13,40 Meter breit. Ihr Tiefgang betrug 4,80 Meter, die Wasserverdrängung 4.050 Tonnen. Die Schiffe waren mit fünf Decks äußerst hoch und deswegen im Marinejargon auch als „Hochhäuser“ bekannt. Im Rahmen des Umbaus zur Klasse 101A erhielten die Zerstörer, die vorher nur über einen relativ kleinen Fahrstand unter einer offenen Brücke verfügten, eine geschlossene Brücke. Den freien Platz zwischen den Schornsteinen bezeichnete man auch als „Heizer-Wiese“, weil sich die Heizer in ihrer Freiwache dort manchmal aufhielten.

Der Antrieb der Schiffe der HAMBURG-Klasse bestand aus vier WAHODAG-Hochdruck-Heißdampfkesseln, die mit bis zu vier Kesselbrennern pro Kessel befeuert waren und zwei Hochdruck-Turbinen. Sie erzeugten rund 68.000 PS und brachten das Schiff auf eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten. Ab Oktober 1990 erfolgte eine Depotinstandsetzung im Marinearsenal Wilhelmshaven mit Stilllegung von zwei der insgesamt vier Kessel.

Anfänglich hatten die Schiffe zwei dreiflügelige, später zwei fünfflügelige Propeller.

Zu Beginn bestand die Bewaffnung der Zerstörer der HAMBURG-Klasse vor allem aus Rohrwaffen: Die Schiffe verfügten über vier einzelne 100-mm-DP-Geschütztürme von Creusot Loire und acht 40-mm BREDA-Zwillingsflak. Ferner waren fünf 533-mm-Torpedorohre (drei im Bug, zwei im Heck) und zwei U-Jagd-Torpedorohre vorhanden. Die drei vorderen Torpedoausstoßrohre wurden später verschlossen und ersatzlos gestrichen. An U-Jagd-Mitteln waren zwei Bofors U-Jagd-Raketenwerfer 375 mm mit je vier Abschussrohren, sowie zwei Ablaufbühnen für Wasserbomben vorhanden.

Beim Umbau 1978 wurde einer der 100-mm-Türme (Turm Charlie) ausgebaut, ebenso die Torpedorohre. Stattdessen erhielten die Schiffe zwei Doppelstarter für Exocet-Flugkörper gegen Seeziele und zwei zusätzliche U-Jagd-Torpedorohre.


Zur Selbstverteidigung gegen Flugkörper waren zwei BREDA 40-mm-Düppelwerfer vorhanden.

Sowohl vor als auch nach dem Umbau war außerdem eine Minenzuladung möglich.

Verfügten die Zerstörer zunächst nur über mechanische Feuerleitanlagen (M2/ M4, Hersteller: Hollandse Signaal Apparaten), wurden sie im Rahmen des Umbaus zur Klasse 101A auch mit dem ursprünglich von den Schnellbooten S148 stammenden PALIS-System ausgerüstet und verfügten damit über eine rudimentäre Führungsfähigkeit mittels Link 11. Die Waffensysteme waren aber auch danach nicht integriert.

Als Ortungsmittel standen dem Z101A zur Verfügung:

- Seezielradaranlage ZW, 3 cm, Hersteller: Hollandse Signaal Apparaten
- Luftzielradaranlage DA, 5 cm, Hersteller: Hollandse Signaal Apparaten
- Weitbereichsradaranlage LW, 15 cm, Hersteller: Hollandse Signaal Apparaten
- Navigationsradar KH-14, Hersteller: Kelvin Hughes
- eine Sonaranlage mit einziehbarem Dom
- eine ESM-Anlage

Zur elektronischen Ausstattung gehörten auch diverse Sprech- und Schreibfunksende/-empfangsanlagen im UHF- sowie HF- Frequenzbereich.

Die Einsatzmöglichkeiten der Zerstörer der HAMBURG-Klasse waren äußerst vielseitig. Neben der „klassischen“ Geleitsicherung und dem Bekämpfen von See- und Luftzielen waren die Zerstörer auch zum Kampf gegen U-Boote und zum Minenlegen geeignet.

Jedoch galten ihre Fähigkeiten spätestens Ende der 1970er Jahre aufgrund der veralteten Elektronik (elektromechanische Feuerleitanlagen, siehe oben) als obsolet, da vor allem ihre Fähigkeit, moderne und schnelle Flugzeuge abwehren zu können, als zunehmend unzureichend eingeschätzt wurde. Lediglich die Flugkörperbewaffnung entsprach bis zu ihrer Ausmusterung dem Stand der Technik.

Bereits während des Baus der HAMBURG kam es zu einer Gasexplosion, die ihre Fertigstellung verzögerte. Eine weitere Explosion mit Brand ereignete sich 1971 im E-Werk der HESSEN und forderte zwei Todesopfer. 1980 kollidierte die BAYERN mit dem Versorgungsschiff SPESSART und trug schwere Schäden davon.