Flugkörperschiessen vor Kreta

FK-Schießen, 06.und 07. April 2004

 

Es begann Mitte November, als hier an Bord die ersten Gerüchte über ein eventuelles Flugkörperschießen der Fregatte Bayern im Mittelmeer, zur Abnahme des neuen Feuerleitradars durchgeführt werden sollte, eintrafen.

Dem wurde seitens des Waffenleitoffiziers und Waffenführungsmeisters nachgegangen.

Die Spur führte in Richtung unserer Flottille. Dort konnte man noch nichts Konkretes sagen, da die endgültige Entscheidung der vorgesetzten Stellen noch nicht bekannt war.

Somit liefen wir dann erst mal ohne weitere Erkenntnisse in Richtung Einsatzgebiet aus.

Im Januar fiel dann nun also die Entscheidung. Die „Bayern“ wird schießen.

Da wir ja nun schon weit weg von Wilhelmshaven waren, mussten wir ja nun irgendwie die Informationen kommen.

Der heutigen Informationstechnik sei Dank. Email, Fax, Telefon und auch unser internationaler Stab machten es uns möglich, die meisten der nötigen Infos für die Vorbereitungen des Schießens zu bekommen.

Für die meisten vom Anti-Air-Warfare-Team war es das erste Flugkörperschießen überhaupt, während Ihrer Zeit bei der Marine. Also wurde recht früh damit begonnen. Als erstes musste wie auch nicht anders bei der Marine zu vermuten, ein Schießbefehl her.

Der wurde dann auch, als endlich die letzten Infos ankamen, 5 Wochen vor dem großen Schießtag fertig.

Nun konnte auch mit dem praktischen Training angefangen werden. Da alles in einer bestimmten Abfolge geschieht, wurde nach so genannten BÜ (Befehlsübermittlungs)-Tafeln die Befehlsprache und die Tätigkeiten geübt. Ein mal täglich. Nur an Sonntagen fand kein Training statt. Da wir aber auch noch unser ganz normales Übungsprogramm des Verbandes hatten (Seeziel-, Luftzielschießen und Flugabwehrübungen), wurde der Tag manchmal sehr lang. Aber als dann der große Tag kam war das alles vergessen.

3 Tage vorher bekamen wir dann noch die letzten Infos, von denen allerdings noch einige am Vortag geändert wurden. Aber nichts ist halt beständiger als die Änderung.

Dann kam endlich  der große Tag. Um 09:00 hieß es Leinen Los und es ging mit der Brandenburg, Bremen und Frankfurt am Main in Richtung Schießgebiet nördlich Kreta.  Nach dem die System-Checks beendet waren, konnte uns nun nichts mehr aufhalten. Jeder saß auf seiner Station und fieberte dem Countdown entgegen.

Als dann auch noch die Drohne mit ihrem Schleppziel an Land gestartet wurde, erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. T-20 Minuten. Jetzt hieß es das Ziel aufzufassen und permanent mit dem Feuerleitradar zu verfolgen. Als die Drohne auf uns einschwenkte, ging alles ganz schnell. Anweisung - Check Safety - Feuererlaubnis - Schuss.

Mit einer Geschwindigkeit von ca. 2600 km/h flog der Flugkörper in Richtung des Schleppziel der Drohne.


Videos im Downloadbereich...

 

Die Nachbereitung ergab, dass noch ein weiterer Schuss nötig sein würde. Wann stand noch offen.

Am Folgetag ging es dann wieder mit den Einheiten ins Schießgebiet. Für uns noch mal die Gelegenheit weitere Tests durchzuführen. Plötzlich bekamen wir die Aufforderung, innerhalb kürzester Zeit den zweiten Flugkörper zu verschießen. Hier machte sich nun das viele Üben so richtig bezahlt.


Der Flugkörper-Start aufgenommen vom Flugdeck der "Bayern"

Dank des sehr gut eingespielten Anti-Air-Warfare-Teams und dem Hauptabschnitt 300 gelang es uns diese Herausforderung zu meistern. Wir benötigten nur die Hälfte der sonst üblichen Vorbereitungszeit.

Als dann der zweite Flugkörper sein Nest verließ und dann auch noch die Drohne traf und zerstörte, war bei allen Beteiligten in den Gesichtern die Erleichterung und der Stolz zu sehen. Es war geschafft. Das Radar hat alle Tests erfolgreich bestanden und wird nun auf allen typgleichen Fregatten eingeführt werden. Noch in der Nachbesprechung  drückte man uns seitens der vorgesetzten und beteiligten Dienststellen großes Lob und Anerkennung aus.


Der Flugkörper unterwegs zur Drohne, dem Zieldarstellungsflugkörper

Zitat eines beteiligten Bayern-Fahrers: „Wenn es leicht gewesen wäre, dann hätte man nicht uns geschickt.“

Und so wurde alles am Ende gut.

Und so schippern sie noch weiter durchs Mittelmeer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

-Better to be our friend than our target-


© OFz.S. Schmidt + StBtsm  Ross