Flugbetrieb an Bord

"Zum Flugbetrieb auf Station" hallt es durch die Schiffslautsprechanlage und kurze Zeit später startet der Bordhubschrauber der Fregatte BAYERN, um die Seeraumüberwachung zu unterstützen.
Was so einfach aussieht, fordert eine Vielzahl an Vorbereitungen. Eine Stunde vor Beginn des Flugbetriebes wird die HC-Briefing duchgeführt. Bei dieser Besprechung werden die Piloten, die Operateure des Hubschraubers und der Kommandant der BAYERN über den bevorstehenden Hubschraubereinsatz informiert. Zuerst stellt der Navigationsmeister das aktuelle und das kommende Wetter vor und dann übernehmen die Hubschrauberleitmeister. Es werden die geplanten Aufgaben des Hubschraubers bestimmt, eventuelle Notfallpläne gebrieft und das Personal, welches im Hubschrauber mitfliegt, festgelegt. Die Zeiten des "Take-Off" und der einzelnen Landungen sind vor dem Starten auch schon festgelegt.


Noch steht der Hubschrauber mit gefallteten Rotorblättern im Hanger

Während die Hubschrauberbesatzung noch gebrieft wird, sind die Techniker der Bordwartungsgruppe schon dabei, den Hubschrauber auf den Flug vorzubereiten. So muss dieser ersteinmal aus dem Hangar verfahren und auf dem Flugdeck festgezurrt werden. Dann werden die Rotorblätter gespreizt, der Füllstand des Tankes und der Batterien an Bord des Hubschraubers werden überprüft und gegebenenfalls nachgefüllt bzw. aufgeladen. Die ersten technischen Prüfungen finden statt und die einzelnen beweglichen Teile des Hubschraubers werden auf ihre Funktion überprüft.


Die Rotorblätter werden gespreizt und fest am Rotorkopf verankert

Aber dies sind nicht die einzigen Vorbereitungen, die getroffen werden müssen. Das Schiff muss sich auch auf den Flugbetrieb vorbereiten. So macht der Decksmeister eine so genannte FO-Kontrolle, wobei " FO" für foreign object steht und soviel heißt, wie "Fremder Gegenstand". Der Decksmeister überprüft also das Oberdeck auf eventuell lose rumliegende Gegenstände, welche den Hubschrauber beschädigen könnten, indem diese Gegenstände durch Wind oder Seegang aufgewirbelt werden und in die Turbinen des Hubschraubers gesaugt werden. Um diese FO-Kontrolle durchführen zu können, müssen vereinzelt Radar oder Fernmeldegeräte ausgeschaltet werden, damit für den Decksmeister nicht die Gefahr besteht, durch eventuelle Strahlung geschädigt zu werden.


Der Decksmeister sammelt lose Gegenstände an Oberdeck auf

Sobald der Decksmeister die Durchführung der FO-Kontrolle gemeldet hat und der Hubschrauber auf dem Flugdeck klar ist zum Fliegen, wird die Reeling auf dem Flugdeck noch abgeklappt und dann heisst es: "Zum Flugbetrieb auf Station!". Jetzt geht das komplette Flugbetriebspersonal, welches sich aus Soldaten der Bordwartungsgruppe und Soldaten aus verschiedenen Bereichen des Schiffes zusammensetzt, im Hangarbereich auf die zugeteilten Stationen. Da gibt es zum einen die Retter, die im Falles eines Crashs des Hubschraubers an Oberdeck, die Sofortmaßnahmen durchführen und der Besatzung des Hubschraubers aus dem selbigen hilft. Zum anderen sind da noch die so genannten Lascher, welche den Hubschrauber auf dem Flugdeck fest verzurren, damit dieser bei Schräglagen des Schiffes nicht vom Flugdeck fällt.


Die Lascher beim Festzurren des Hubschraubers auf dem Flugdeck

Der Chef über das Flugdeck und das Flugbetriebspersonal ist der FDO (Flugdecksoffizier) welcher den kompletten Flugbetrieb im Flugbetriebsbereich der Fregatte BAYERN leitet. Er "winkt" den Hubschrauber in die richtige Position beim Landen, setzt die Lascher und Retter ein und ist die Schnittstelle zwischen Wachoffizier auf der Brücke, dem Hubschrauberleitmeister in der OPZ und dem Hubschrauber, sofern dieser auf dem Flugdeck steht. Ist der Hubschrauber in der Luft, ist der Hubschrauberleitmeister für ihn verantwortlich. Er beobachtet die Flugbewegungen des Hubschraubers auf dem Radar, sagt den Piloten in welche Richtung sie fliegen sollen und unterstützt bei Notrollen, wie Kompassausfall oder Anflug bei verminderter Sicht. Die Verwendung als Hubschrauberleitmeister setzt das Bestehen eines sehr schwierigen Lehrganges und Systemkenntnis an den Radarkonsolen voraus.


Der FDO überprüft die Fahrt- und Windanzeigen des Schiffes, der Rotor des Hubschraubers dreht schon

Aber ohne Piloten geht es nicht und deshalb steigen die Piloten zirka 15 Minuten vor dem Start in die Maschine, stellen den Sitz ein und machen den "Motor" an. In diesem Fall sind das zwei Turbinen, die gestartet werden und erstmal einen Probelauf hinter sich bringen müssen. Dabei wird auf die kleinste Unregelmässigkeit geachtet. Erst wenn der Öldruck, die Drehzahl und die Kraftstoffzufuhr stimmt, wird der Rotor eingekuppelt und die mächtigen Rotorblätter fangen an, sich zu drehen. Auch hier wird wieder alles überprüft, ob keine betriebsfremden Geräusche zu hören sind, oder ob eventuelle Vibrationen, die nicht normal wären, zu spüren sind. Sind alle Checks durchgeführt, meldet der Pilot: Noch 2 Minuten bis zum Start.


Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, der Hubschrauber hebt ab

Nun dreht der Wachoffizier auf der Brücke das Schiff in den richtigen Wind, lässt die Schiffsbewegungen überprüfen und den Luft- und Seeraum auf störende (Luft-) Fahrzeuge durchsuchen. Die Signäler setzten die Flagge H um anzuzeigen, dass die Fregatte BAYERN Flugbetrieb durchführt und der Wachoffizier befiehlt "Green Deck". Jetzt wird die Flugdecksampel auf Grün geschaltet, der FDO lässt die Gurte vom Hubschrauber entfernen und der Pilot gibt Gas. Ganz langsam und behutsam hebt der Hubschrauber ab, fliegt noch 2 Runden um das Schiff, um die Maschine auch in der Luft nochmals zu überprüfen und dann kann die Seeraumüberwachung losgehen….

Man sieht also, Flugbetrieb ist nicht nur den Hubschrauber starten und landen, sondern vielmehr das Zusammenspiel vieler verschiedener Bereiche des Schiffes.

© HptBtsm Hoyer