Einsatzfähig!!!

 Nach sechs fordernden Wochen in Großbritannien ist die Fregatte BAYERN am Donnerstag, den 13.11.2014, wieder in den Heimatstützpunkt Wilhelmshaven eingelaufen. Seit dem 30.09.2014 waren die etwa 200 Männer und Frauen der BAYERN unterwegs, um die endgültige Einsatzfähigkeit von Schiff und Besatzung nachzuweisen. Für deutsche Fregatten findet die Ausbildung in Plymouth statt, dieser Ort wird im Besatzungsjargon schlicht „der südenglische Badeort“ genannt. In dem sechs Wochen dauernden Training werden alle Bereiche des Schiffes auf Herz und Nieren geprüft.. Im Fokus des German Operational Sea Trainings (GOST) stehen jedoch das äußere Gefecht, welches aus der Operationszentrale geführt wird sowie das innere Gefecht, also die Schadensabwehr, welches aus dem Schiffstechnischen Leitstand geführt wird.

 Das intensive Training begann für die BAYERN mit einer Hafenwoche und einem Eingangstest, der mit einer guten Bewertung und einem „safe to train“ beendet wurde. Die Ausbildung konnte beginnen. In den darauf folgenden fünf Wochen wurde jedem Hauptabschnitt alles abverlangt. Zunächst wurden die einzelnen Teams ausgebildet, bevor das Schiff als Ganzes trainiert wurde. Wie in einem Getriebe in dem zuerst die Zahnräder poliert werden, bevor das Getriebe ineinander greifen kann. Die Übungen, Serials genannt, beinhalteten zum Beispiel die Abwehr von Luft-, Unterwasser- oder Überwasserbedrohungen. Aber auch die Reaktionen auf Maschinenschäden und Schäden an Radar- oder Funkanlagen wurden optimiert und ausgebildet. Die englischen Ausbilder, die Searider, haben dabei immer besonders genau hingesehen. „In der englischen Marine findet eine absolute Bestenauswahl statt, um Searider werden zu dürfen“, sagt Andreas Mückusch, Erster Offizier, „dieser qualifizierte Blick auf das Schiff bietet einzigartige Möglichkeiten, uns zu verbessern.“

 Jedes Serial im GOST ist in ein Gesamtszenario eingebettet: das kleine Land Brownia wird durch einen aggressiven Nachbarn, Ginger, bedroht. Im Namen der Vereinten Nationen hatte die Fregatte BAYERN, als Teil eines Marineverbandes, den Auftrag, den Frieden zu sichern und eine Embargozone durchzusetzen.

 Neben dem „normalen Geschäft“ eines Kriegsschiffes, dem Kämpfen im Gefecht auf See, wurden auch andere Bereiche trainiert, die normalerweise nicht zum Alltäglichen gehören. Dazu zählte zum Beispiel ein „Ship Protection Exercise“. Ein Szenario, in dem das Schiff im Hafen einer gewissen Bedrohung von Land aus ausgesetzt ist. Mit Hilfe eines eingeschifften Teams aus Soldaten des Seebataillons, der Infanterie der Marine, konnte auch hier ein gutes Ergebnis erreicht werden. Zunächst fand eine Demonstration vor dem Schiff statt, welche sehr realistisch durch Darsteller simuliert wurde. Das Szenario eskalierte dann soweit, dass Terroristen das Schiff angriffen und die Entscheidung zum Auslaufen getroffen wurde.

 Insgesamt drei Wochen war der Kommandant, Fregattenkapitän Frank Fähnrich, sogar mit der Führung des gesamten Verbandes betraut. „Die Führung eines Verbandes ist keine alltägliche Aufgabe“, sagt Fregattenkapitän Fähnrich, „nur mit der Unterstützung eines tollen Teams in der Operationszentrale und einer herausragenden Leistung der gesamten Besatzung war dies zu bewerkstelligen“.

 In einer ganz ungewohnten Rolle fand sich die Besatzung während einer Katastrophenhilfeübung, der Disaster Relief Exercise (kurz DISTEX) wieder. Ein Hurricane hatte das kleine Örtchen Bullpoint verwüstet und die Männer und Frauen der BAYERN waren die ersten Helfer, die am Unglücksort eintrafen. Dort angekommen, mussten Schäden an der Infrastruktur repariert und Feuer gelöscht werden. Am Wichtigsten war aber die Versorgung der Bevölkerung mit Unterkunft, Decken oder Verpflegung. Es gab auch viele Verletzte, die, wie die gesamte Situation, sehr praxisnah dargestellt wurden. Dazu die Schiffsärztin der BAYERN Oberstabsarzt Dr. Stefanie Zeller: „Dies ist bereits mein drittes Training in England und immer wieder überrascht mich die Realitätsnähe, besonders im DISTEX, mit der die Darsteller Verletzungen simulieren und in der Lage leben.“

 Nach der anstrengenden und oft lange dauernden Ausbildung gab es aber auch Freizeit für die Besatzung. Schließlich galt es, die alte Marinestadt Plymouth kennenzulernen. Neben der Stadt und ihrer abendlichen Attraktivität hat ein großer Teil der Besatzung die Möglichkeit genutzt, die landschaftlich sehr reizvolle Umgebung von Plymouth kennen zu lernen. Das englische Essen sowie die lokalen Getränkespezialitäten wurden dabei gerne ausprobiert. Für viele Besatzungsangehörige war dies der erste Besuch in Plymouth. Das Wetter blieb zum Glück die meiste Zeit ungewöhnlich gut. Selten gab es „typisch englisches Wetter“, welches die Besatzung unter Regenmäntel gezwungen hätte.

 

 Nach den sechs Wochen in England hatte Fregattenkapitän Fähnrich allen Grund, stolz zu sein. Die schwierigen Herausforderungen, unter der stetigen Beobachtung der Searider, waren geschafft. Der GOST endete mit einem Besuch des Captain South, dem Chef der Trainingseinrichtung, der nochmal die Leistungen zusammenfasste. Er zeigte sich beeindruckt, dass aus einem Schiff und einer Besatzung eine Einheit geworden ist. Eine Einheit, der er ohne Bedenken die Einsatzfähigkeit bescheinigte. Der Kommandant bedankte sich schließlich bei der Besatzung mit den Worten: „Bravo Zulu (Marineausdruck für „sehr gut gemacht“), vielen Dank für die Leistungen der vergangenen Wochen. Ich bin stolz als Kommandant der BAYERN mit Ihnen in den Einsatz fahren zu dürfen.“

 

© OLtzS Momberg