SQUADEX 2019

SquadEx 2019: Gemeinsames Manöver der Einzelfahrer

Rostock, 29.01.2019.

Vom 14. bis 25. Januar fuhren die Fregatten „Bayern“ und „Hessen“ aus Wilhelmshaven in einer flottillenübergreifenden Übung in der Ostsee – seltene Chance für alle Einsatzverbände der Marine.

Die Fregatte „Bayern“ in See.

Die Fregatte „Bayern“ in See (Quelle: 2019 Bundeswehr)

Schiffe und Boote der zwei Einsatzflottillen der Deutschen Marine haben nicht regelmäßig die Gelegenheit, gemeinsam und ausführlich Manöver zu fahren. Auch Bordhubschrauber oder Langstreckenaufklärer des Marinefliegerkommandos sind nicht laufend bei der Einzelausbildung der Schiffscrews dabei.

Eine knapp zweiwöchige Übung des 2. Fregattengeschwaders aus Wilhelmshaven im Januar bot sich aber dafür an – keine Selbstverständlichkeit in Zeiten relativ hoher Einsatzbelastung für die Flotte. Auch deshalb waren einer, an sich im Umfang beschränkten, Geschwaderübung, militärisch kurz als „SquadEx“ bezeichnet, wochenlange detaillierte Vorbereitungen vorausgegangen.

Kurz nachdem die Fregatte „Bayern“ morgens am 14. Januar ablegte, landeten zwei „Sea Lynx“-Hubschrauber auf ihrem Flugdeck. Die Helikopter des Marinefliegergeschwaders 5 in Nordholz unterstützten die Übung in der Luft. Gemeinsam mit der Fregatte „Hessen“ ging es über den Skagerrak Richtung Ostsee.

Rendezvous der Einsatzverbände

Abends am 15. warteten im Fehmarnbelt nördlich der Kieler-Bucht zwei Schiffe der Einsatzflottille 1 auf die Fregatten: Mit der Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ und dem Tender „Donau“ verlegten alle gemeinsam weiter Richtung östliche Ostsee. Mit diesem Treffen und der Einschiffung der Bordhubschrauber zuvor waren alle drei großen Einsatzverbände bei diesem „SquadEx“ vertreten, der Übungsverband war komplett.

Wir sind mit vier verschiedenen Waffensystemen flottillenübergreifend zur See gefahren“, erklärte der Verbandsführer Kapitän zur See Sven Beck, Kommandeur des 2. Fregattengeschwaders, dazu. „Endlich hatten wir mit diesem Verband wieder einmal die Möglichkeit, unsere maritimen Kernfähigkeiten, unser Handwerk, in einem wahrnehmbaren Umfang zu üben.“

Aufgrund von Einsatzverpflichtungen der einzelnen Schiffe der Marine sind solche Gelegenheiten nicht regelmäßig gegeben. „Für die Einzelfahrer ist es aber schlichtweg unerlässlich, das Verbandsfahren zu trainieren, um diese wichtige Fähigkeit nicht zu verlieren. Großartig, dass wir mit der Teilnahme aller drei großen Verbände an diesem SquadEx unsere Einsatzgrundsätze und -verfahren festigen konnten“, so Beck.

Zusätzlich hatten alle Schiffe insgesamt rund 80 Offizieranwärter an Bord genommen. Die jungen Marinesoldatinnen und -soldaten konnten so das Seemannshandwerk auf deutschen Kriegsschiffen kennenlernen; für viele von ihnen war es zugleich die erste Seefahrt ihres Lebens. Sie erhielten ein intensives Bild davon, was Marine ausmacht und wie sie in See funktioniert. Dieser Eindruck wird den Kadetten helfen, über ihren späteren Karriereweg in den Seestreitkräften zu entscheiden.

Fehler sind erlaubt

 

Mehrere graue Schiffe fahren auf hoher See.

Der Verband beim PhotEx (Quelle: 2019 Bundeswehr)

Nach dem Rendezvous vor Kiel hatte der Manöveralltag die Besatzungen fest im Griff: Komplexe Fahr- und Formationsübungen sowie Flugabwehrübungen und Hubschraubertransfers zwischen den Schiffen standen ab jetzt auf dem Tagesprogramm.

Nutzen Sie jede sich bietende Gelegenheit, Einsatzgrundsätze und -verfahren bei seemännischen Manövern, bei Übungen in der Operationszentrale und auf der Brücke, die Handhabung und Kenntnisse in der Schiffstechnik und Schiffselektronik zu verbessern!“, hatte Beck seine Kommandanten und deren Crews aufgefordert. „Dabei werden auch Fehler passieren. Wichtig ist, dass Sie daraus lernen.“

Auch auf dem Programm stand ein sogenanntes PhotEx: Der Verband fuhr in einer festgelegten Formation, sodass ein Fotograf vom Hubschrauber aus Bilder machen konnte. Dabei stießen zum Verband Schiffe der Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG 1), die grundsätzlich auch in diesem Seegebiet operiert: der deutsche Flottentanker „Spessart“ und der französische Zerstörer „Primauguet“. Beide Schiffe fuhren anschließend die deutsche Marineübung mit.

Außerdem: ein Zeichen für die Ostsee

 

Hansestadt und UNESCO-Kulturerbe Riga.

Hansestadt und UNESCO-Kulturerbe Riga (Quelle: 2019 Bundeswehr)

Ein Highlight der Ausbildung war das Einlaufen in Riga, der Hauptstadt Lettlands, am folgendem Wochenende. Für Kapitän zur See Beck ein Hafenaufenthalt von besonderer Wichtigkeit: „Mit der Ostsee befahren wir ein Seegebiet, das in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat“, sagte er. „Mit der Präsenz unseres Verbands in dieser Region und dem Besuch Rigas haben wir ein Zeichen setzen und unsere Verbundenheit zum Ausdruck bringen wollen.

Eine militärische Musterung durch Kapitän zur See Beck.

Eine militärische Musterung durch Kapitän zur See Beck (Quelle: 2019 Bundeswehr)

Nach einer militärischen Musterung der rund 600 Soldatinnen und Soldaten der sechs Schiffe durch Kapitän zur See Beck hieß es: Landgang. Die folgenden zwei Tage erkundeten die Marinesoldaten die alte Hansestadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Am 21. morgens hieß es dann wieder: „Klarmachen zum Auslaufen!“ Auch die zweite Woche des Manövers beinhaltete Verbands- und Formationsfahren sowie Flugabwehrübungen – wiederum auch in Zusammenarbeit mit den beiden Schiffen der SNMG 1.

Seefahrt tut Not – genauso wie die Verbandsausbildung oder schlicht das Handwerk zu üben! Damit wir es beherrschen, und gemeinsam besser beherrschen“, resümierte Kommandeur Beck nach dem Ende der Übung und zurückgekehrt nach Wilhelmshaven. Er urteilte: „Für mich war dieses SquadEx ein großer Erfolg, weil wir unser gegenseitiges Verständnis verbessern konnten, weil wir in See miteinander üben konnten, weil wir Procedures entwickelt, verbessert – oder auch weil wir uns einfach wieder daran erinnert haben.“ Er hoffe, schon bald wieder eine ähnliche Übung durchführen zu können. „Wenn es uns das gelingt, dann ist mir um die Einsatzfähigkeit der Marine nicht bange.“